Erkrankung & Sexualität

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Alkohol und Sexualität

Alkoholkonsum und seine Auswirkungen auf die Sexualität
Der Einfluss von Alkohol auf die Sexualität ist je nach Dosierung sehr unterschiedlich. Einerseits wirkt sich Alkohol bei niedriger Dosierung gut auf die Sexualität aus und hat daher für viele Menschen eine hohe Attraktivität. Andererseits kann das Positive sehr schnell ins Negative umschlagen. Aus dem Enthemmer Alkohol wird mit einem Schlag der Verhinderer Alkohol.

Niedrige Alkoholdosierung
Die Alkoholverträglichkeit ist individuell sehr unterschiedlich und auch von der Tagesverfassung abhängig. Mit „niedriger Alkoholdosierung“ ist aber etwa ein kleines Bier, ein Glas Wein oder Sekt am Tag (und auch das nicht täglich) gemeint.
In niedriger Dosierung wirkt Alkohol:

  • enthemmend
  • angstlösend (anxiolytisch)
  • schmerzlindernd (analgesierend)
  • die Sensibilität dämpfend und
  • euphorisierend

Diese Wirkungen sind allgemein bekannt. Bei Festen ist das gut zu beobachten: Am Anfang ist die Stimmung lustig und enthemmt, der Flirtfaktor ist hoch, denn viele trauen sich mit ein wenig Alkohol, offensiver zu werden.

Höhere Alkoholdosierung
Wird weitergetrunken, ändert sich die Wirkung des Alkohols.
Es kommt zu einer Zunahme der analgesierenden, also schmerzdämpfenden, aber auch insgesamt dämpfenden Wirkung. Man spürt einfach weniger.

  • Die enthemmende Wirkung nimmt zu,
  • die angstlösende Wirkung bleibt bestehen.
  • Entscheidend ist jedoch, dass sich mit der Zunahme des Alkoholkonsums die Stimmung von euphorisierend in depressiv verändert.

Auch das kann man gut bei Festen beobachten: Gegen Mitternacht beginnen die ernsten Gespräche, die politische Lage wird ebenso diskutiert wie die Globalisierung und diverse Missstände. Man glaubt, durch den Alkohol sehr intellektuell geworden zu sein, in Wahrheit ist man aber alkoholbedingt einfach in eine depressive Phase eingetreten.
Wird Alkohol täglich (chronisch) konsumiert, verstärken sich diese Wirkungsweisen. Etwa ein Viertel (!) der männlichen österreichischen Bevölkerung nimmt mehr als 420 g reinen Alkohol pro Woche zu sich, das ist umgerechnet etwa eine Flasche Wein pro Tag, sieben Mal die Woche. In diesem Bereich wird man generell depressiv, auch dann, wenn man gerade weniger stark getrunken hat.

Auswirkungen auf die Sexualität
Die oben beschriebenen Effekte treten auch im Bereich der Sexualität auf. Für viele Menschen ist Sexualität angstbesetzt, bei Männern stehen Versagensängste, bei Frauen Penetrationsängste im Vordergrund. Bei beiden Geschlechtern ist auch die Angst vor einem nicht erfüllbaren Idealbild präsent. In der alkoholbedingten Enthemmung lassen sich eigene Grenzen und Hemmungen leichter überschreiten.

Empfindungsdämmung
So gesehen könnte man sagen, dass Alkohol der Sexualität durchaus förderlich ist. Ist die dämpfende Wirkung noch gering, die euphorisierende, angst- und enthemmende Wirkung jedoch bereits stark, wird Sexualität oft als positiv erlebt. Das Problem ist jedoch, dass Alkohol schon in niedrigen Dosierungen beginnt, dämpfend zu wirken – für das Lustempfinden keine ideale Voraussetzung. Mit Erhöhung der Dosis nimmt diese dämpfende Wirkung weiter zu und die sexuelle Empfindlichkeit damit ab.

  • Bei der Frau kommt es zu weniger Empfinden, zu Erregungsstörungen und auch zu daraus resultierenden körperlichen Folgeerscheinungen, wie trockener Scheide.
  • Beim Mann kommt es zu Erektionsschwierigkeiten, aber auch zu Verzögerungen in der Ejakulation bzw. zu Orgasmusschwierigkeiten.

Eine verzögerte Ejakulation kann bei Männern zwar gewollt sein (vor allem, aber nicht nur, bei Ejakulatio precox ). Allerdings lässt sich die Wirkung von Alkohol nicht gezielt dosieren. Es gibt keine genauen Dosis-Angaben. (Etwa: bei einem Glas ist es optimal, bei zwei Gläsern wird es schwieriger und bei drei Gläsern problematisch.) Einerseits hängt es stark von der Tagesverfassung ab. Andererseits kann es auch schnell passieren, dass bereits zu viel konsumiert wurde. Und dass damit genau jene Situationen, vor denen man Angst hatte, eintreten.

Teufelskreislauf
amit beginnt ein Teufelskreislauf: Man hat Angst vor Potenz- oder Erregungsstörungen, trinkt gegen diese Angst, erwischt zu viel und sieht sich damit in einer größeren Häufigkeit genau mit diesen Situationen konfrontiert. Dabei kann es zu chronischen Potenz-, Ejakulations- oder Erregungsstörungen kommen.
Alkohol als Enthemmer wird sowohl am Anfang, als auch in langjährigen Beziehungen bewusst eingesetzt. Die Motivationen sind jedoch verschieden: am Anfang möchte man enthemmt sein, um dem anderen nahe zu kommen, in langjährigen Beziehungen will man hingegen oft enthemmt sein, damit der Sexualakt vorüber geht. Dies betrifft in erster Linie Frauen und ist fatal.

Wege heraus

  • Bei Erlebnissen, die eine so hohe Sensibilität benötigen wie Sex, sollte nicht Alkohol zum Hemmungsabbau verwendet werden. Besser wäre es, sich mit seinen Problemen auseinanderzusetzen und sie, etwa auch in einem Beratungsgespräch oder einer Therapie, dort abzubauen, wo man sie abbauen möchte – und sie dort zu behalten, wo man sie behalten möchte. Denn nicht jede Hemmung ist etwas Schlechtes, sondern kann auch eine wichtige Schutzfunktion haben.
  • Obwohl wir denken, sehr aufgeklärt zu sein, leben wir dennoch in einer höchst unaufgeklärten Zeit, in der Fragen oft nicht erlaubt sind und in der eine extreme Anzahl an Fehlinformationen und „Sexualmythen“ kursieren.
  • Bei einer Sexualstörung ist wesentlich, die Störung nicht als Versagen zu sehen. Denn im Erlebnisbereich der Sexualität geht es nie um Leistung, sondern um sich öffnen, sich hingeben, zulassen, sich sensibilisieren, spielerisch etwas ausprobieren. Sexualität ist zu vergleichen mit einer schönen Landschaft, einem Bild oder einem Musikerlebnis. Niemand käme auf die Idee, dabei etwas erreichen zu wollen. Wie diese Erlebnisse wirken, kann nicht auf Knopfdruck gesteuert werden. Manchmal ist das Hören von schöner Musik nur angenehm – und manchmal bringt es einen in einen ekstatischen Zustand. So wie Sexualität.

AutorInnen
Prim. Univ. Prof. Dr. Michael Musalek, Mag. Christiane Moser (Januar 2012).

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Beckenboden und Sexualität

Beckenbodenfunktion bei Frau und Mann
Die Beckenbodenmuskulatur hat eine Dreifachfunktion:

  • Tragefunktion für die Eingeweidelast sowie Sicherung der Lage von Bauch und Beckenorganen durch Verschluss der knöchernen Öffnung des Beckenringes nach unten (kaudal).
  • Aktive sowie passive Kontrolle der Öffnungen von Darmausgang, Harn- und Geschlechtswegen (Sphinkterfunktion)
  • Mithilfe als orgiastische Manschette

Damit die Beckenbodenmuskulatur diesen Funktionen (verschließen, öffnen, nach innen gerichtete Pumpfunktion, Verengung des Scheideneinganges zum Aufbau der orgastischen Manschette) gerecht wird, besteht sie aus transversal und sagittal geschichteten Muskel- und Bindegewebsplatten. Bei der Frau werden diese Schichten durch Harnröhren-, Scheiden- und Enddarmöffnung durchbrochen.

Schwächung der Muskulatur
Die Muskulatur wird zusätzlich geschwächt durch:

  • Geburten
  • schwere wiederkehrende Belastungen (schweres Heben und Tragen)
  • Verletzungen
  • Überdehnungen des Beckenbodens und der versorgenden Nerven (z.B. während der Geburt oder in Folge häufiger Entbindungen)

Folgen
Man spricht von der Insuffizienz des Beckenbodens (Beckenbodenmuskelhypotonie) mit unterschiedlichen klinischen Folgen:

  • Tiefertreten der Beckenbodenmuskulatur und des Bindgewebes (Descensus perinei)
  • Senkung der Beckenorgane z.B. des Uterus (Descensus uteri).
  • Im Extremfall Komplettvorfall der Gebärmutter aus der Vagina mit Umstülpung der Scheide (Prolaps uteri et vaginae)

Eine starke Senkung (Descensus) ist in der Regel mit unfreiwilligem Harn- und/oder Stuhlverlust (Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz) verbunden.

Vorbeugung
Beckenbodentraining hilft in jedem Fall. Bei geringgradiger Senkung genügt oft ein regelmäßiges Beckenbodentraining, bei stärkerer Ausprägung ist eventuell ein operativer Eingriff notwendig. Dazu stehen eine Vielzahl von Operationsmöglichkeiten wie z.B. TVT (Bandoperation), Netzoperationen, Beckenbodenplastik sowie die operative Anheftung der Beckenorgane zur Verfügung, bezeichnet auch als Colopexie oder Rektopexie mit Fixation an der Beckenwand oder dem Sakrum.
In jedem Fall soll auch nach einer Operation ein Beckenbodentraining weitergeführt werden, das durch einen Facharzt/eine Fachärztin oder eine speziell darin geschulte Physiotherapeutin/einen Physiotherapeuten gelehrt wird.

Beckenboden als Sexualorgan der Frau
Der sexuelle Reaktionszyklus setzt bei manchen Frauen ungefähr zehn bis 30 Sekunden nach einer Stimulation mit der Transsudation mukoider Flüssigkeit in die Vagina ein. (Der Zeitraum für diesen Reaktionszyklus kann auch deutlich länger dauern. Dies ist abhängig von Umgebungsfaktoren und dem Lustfaktor für die Frau.) Dieses Transsudat erzeugt Gleitfähigkeit in der Vagina. Die Transsudation entsteht auf dem Boden einer allgemeinen venösen Stauung (Vasokongestion) in der Vaginalwand. Sie wird wahrscheinlich durch parasympathische Neuronen aus dem Sakralmark (Wirbelsäule) und durch sympathische Neuronen aus dem Thorakolumbalmark ausgelöst. Der genaue Mechanismus der Transsudation wird bis dato noch wissenschaftlich untersucht.

Orgiastische Manchette
Die Transsudation wird von einer reflektorischen Erweiterung des Vaginalschlauches begleitet. Mit zunehmender Erregung bildet sich im äußeren Drittel der Vagina durch lokale venöse Stauung die orgastische Manschette aus, die zusammen mit den angeschwollen vergrößerten großen Genitallippen einen Kanal bilden, der die optimale anatomische Voraussetzung zur Erzeugung eines Orgasmus bei Mann oder Frau ist. Während des Orgasmus kontrahiert sich die orgastische Manschette je nach Stärke des Orgasmus drei bis 15 Mal etwa im Sekundenrhythmus.
Die Kontraktion der Gebärmutter, die Durchblutung und die eventuelle auftretende weibliche Ejakulation werden wahrscheinlich neuronal durch den Sympathikus vermittelt und sind mit der Emission und Ejakulation beim Mann zu vergleichen. Die Kontraktion der willkürlichen Beckenbodenmuskulatur wird vom Nervus pudendus, einem somatischen Nerven, vermittelt.
Eine kräftig trainierte Beckenbodenmuskulatur und das gezielte Aktivieren oberflächlicher und tieferer Muskelschichten helfen der Frau, die klitoriale Reizung zur Förderung eines Orgasmus zu vermehren. Die Enge der orgastischen Manschette und die Verstärkung der Kontraktionen einer kräftigen Beckenbodenmuskulatur unterstützt auch das intensive orgastische Erleben für den Mann.

Nach der Geburt
Nach etwa vier bis sechs Wochen ist der Verschluss der Gefäße des Plazentabettes in der Gebärmutter (Uterus) abgeschlossen. Dammriss oder Dammschnitt können durch Narbenbildung beim ersten sexuellen Kontakt Schmerzen verursachen. Auch Lubrikationsschwierigkeiten (trockene Scheide) sind physiologisch begründet, da durch die Dehnung des Geburtskanales auch eine Dehnung der nervalen Versorgung aufgetreten sein kann, die eine Verminderung der Scheidenfeuchtigkeit bedingt. Auch die Beckenbodenmuskulatur ist so stark gedehnt, dass ein Gefühl der Weite und verminderten Kontraktionsfähigkeit auftritt.
Die physikalische Medizin bietet auch hier die Möglichkeit, die Narbenbildung durch frühzeitige Applikation von Lasertherapie und Ultraschall im Dammbereich zu minimieren. Das Beckenbodentraining und Biofeedback tragen zur raschen Rückbildung bei.

Vulvodynie, vulväres vestibuläres Syndrom, Vaginismus
Bei Vulvodynien, Vaginismus und vulvärem vestibulären Syndrom klagt die Patientin über Empfindlichkeit bzw. Überempfindlichkeit im Scheideneingang, sodass eine vaginale Penetration ohne Schmerzen nicht möglich ist. Diese Krankheitsbilder und ihre Symptome müssen im Rahmen eines interdisziplinären Netzwerkes von FachärztInnen und SexualtherapeutInnn genau untersucht werden, da sich dahinter sowohl Dermatosen, lokale Mastzellendegranulationen aber auch neuropathisches Schmerzsyndrom oder psychosomatische Erkrankungen verbergen können.
Der Facharzt/die Fachärztin für physikalische Medizin kann mit Hilfe von Biofeedback die Hyperaktivität des Beckenbodens bzw. den Normotonus differenzieren. Dies ist ein wesentlicher klinischer Aspekt, da bei Dermatosen sehr häufig ein Normotonus des Beckenbodens vorliegt, bei Patientinnen mit primärem vulvären vestibulären Syndrom jedoch eine Hyperaktivität des Beckenbodens. Zusätzlich ist durch die Wahrnehmungsschulung des Beckenbodens und durch eine entsprechende Atemtherapie eine schmerzreduzierende Komponente der Biofeedbacktherapie gegeben.

Sexuelle Funktion beim Mann
Auch die Beckenbodenmuskulatur des Mannes hat Einfluss auf die sexuelle Funktion. Lust, Erektion, Ejakulation, Orgasmus und die Detumeszenz werden von den männlichen Hormonen und dem Zusammenspiel neurovaskulärer und muskulärer Funktionen bestimmt. Die quergestreifte Beckenbodenmuskulatur beeinflusst den Blutzufluss zum Penis. Der willkürlich aktivierbare Musculus ischiocavernosus und der Musculus bubocavernosus unterstützen die Erektion. Besonders die Kontraktion des Musculus bubocavernosus blockiert den Blutabstrom durch Verschluss der tiefen dorsalen Penisvenen.
Die Ejakulation des Mannes kann durch eine aktive Beckenbodenmuskelkontrolle beeinflusst werden, indem der M. bubocavernosus und der M. ischiocavernosus bewusst entspannt werden. Dabei muss sich auch der M. levator ani aktiv entspannen, und es wird durch eine entsprechende Atemtechnik eine Pressatmung verhindert. Diese willkürliche Entspannung bei gleichzeitiger voller Erektion zur Unterbrechung des Ejakulationsreflexes kann mit Beckenbodentraining im Entspannungsbiofeedback erlernt werden.

Erektile Dysfunktion
Auch bei der erektilen Dysfunktion (ED) kann die erektile Funktion durch entsprechendes Biofeedback-assistiertes Beckenbodentraining und Elektrotherapie verbessert werden.
Der exakte Mechanismus bezüglich der Kontrolle des Ejakulationsreflexes ist jedoch wissenschaftlich noch in Untersuchung, um ein komplettes Verständnis dieses Mechanismus zu erreichen.

Radikale Prostatektomie
Bei der Operation eines Prostatakarzinoms entscheidet der Chirurg/die Chirurgin, ob eine nervenschonende Operation möglich ist. Als Folgesymptom kann kurzfristig (bis zu einem halben Jahr) oder auch längerfristig eine Harninkontinenz auftreten. Unmittelbar nach der Operation sind je nach Literatur 60-90 Prozent der Patienten mit radikaler Prostatektomie und/oder Strahlentherapie inkontinent. Eine bleibende Inkontinenz (länger als zwei Jahre) ist bei fünf bis zehn Prozent der operierten Patienten zu erwarten.
Mit der Inkontinenz geht häufig auch eine erektile Dysfunktion einher. Je nach Radikalität der Prostatektomie und Leidensdruck wird der behandelnde Urologe/die behandelnde Urologin entscheiden, ob eine medikamentöse Therapie (zur Verbesserung der Erektilität) als Dauermedikation eingesetzt werden muss oder andere, die Sexualfunktion unterstützende Methoden (Schwellkörperinjektionen, Penisimplantate, SKAT, etc.) zielführender sind.

Sphinktertraining
Besonders bewährt hat sich ein präoperatives Sphinktertraining mit Weiterführung dieses Beckenbodentrainings im Anschluss an die Operation, je nach Symptomatik, mit oder ohne Biofeedback und Elektrotherapie.
Ist eine längere Inkontinenz zu erwarten, besteht die Gefahr einer Fibrosierung des Schwellkörpers, deshalb wird häufig eine medikamentöse Dauertherapie vom Urologen/von der Urologin zum Erhalt der Erektionsfähigkeit vorgesehen. Die physikalische Medizin bietet als unterstützende durchblutungsfördernde Maßnahme die Reizstromtherapie an.

Autorin
Prim. Dr. Eva-Maria Uher (März 2011)

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Blutgefäße und Sexualität

Eine funktionierende Sexualität ist ohne gesunde Blutgefäße nicht möglich. Die Blutgefäße versorgen unseren Organismus mit allen wichtigen Nährstoffen und tragen dazu bei, dass Giftstoffe aus dem Körper entfernt werden. Die Schwellkörper der weiblichen Sexualorgane bestehen aus kleinsten, höhlenartig geformten Blutgefäßen. Sie sind von zarten, glatten Muskelzellen umgeben, die im nicht erregten Zustand diese Hohlräume engstellen und sie im erregten Zustand erweitern.
Für den Geschlechtsverkehr füllen sich die Hohlräume der Schwellkörper mit Blut. Die Blutgefäße der Scheide wiederum schwellen an, um den Feuchtigkeitsfilm zu produzieren und den Penis eng umschließen zu können.
Außerdem nutzen alle für die Sexualität wichtigen Hormone und Botenstoffe die Gefäße als Transportwege. Die innerste Schicht der Blutgefäße wird Endothel genannt. Das Endothel produziert Botenstoffe, die das Weit- und Engstellen der Blutgefäße und die Durchlässigkeit der Gefäßwände regulieren.
Ohne intakte Blutgefäße kann somit keine Sexualreaktion ablaufen.

Autorin
Dr. Elia Bragagna (Dezember 2011)

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Brustkrebs und Sexualität

Ein massiver Einschnitt ins Sexualleben
Mit Brustkrebs ist ein massiver Einschnitt in Ihr Sexualleben passiert. Die Brust als Sexualorgan ist Ausgangspunkt einer Erkrankung und bleibt trotzdem ein Ort, an dem Lust empfunden werden kann und über die Sexualität gelebt wird. Angst vor Erkrankung, Operation, Behandlung, unerwünschte Arzneimittelwirkungen, Siechtum und Tod treten krisenhaft in den Vordergrund des Erlebens, Sexualität tritt in den Hintergrund.
Alles konzentriert sich auf das Bewältigen der belastenden Situation („Ich will gesund werden“), die Auseinandersetzung mit Sexualität wird oft als unangemessen erlebt und auf später verschoben („Das wird dann schon wieder, wenn ich gesund bin“).
Wir versuchen, einen häufigen Ablauf dieser Dynamik zu beschreiben sowie weibliche und männliche Sichtweisen und Erlebniswelten in ihrer Übereinstimmung und ihren Unterschieden aufzuzeigen. Dies soll Ihnen helfen wahrzunehmen, wo und wie Konflikte entstehen und wie Sie sie bewältigen können.

"Normale" Veränderungen in der Sexualität
Wenn Sie zurückschauen, so werden Sie feststellen, dass Sie schon eine Reihe von Veränderungen Ihrer weiblichen Körperlichkeit durchlaufen haben, die mit Sexualität in engem Zusammenhang gestanden sind (z.B. erste Regel, erste sexuelle Begegnung, Partnerwechsel, Infektionen im Geschlechtsbereich, unangenehme Sexualerlebnisse, Kinder gebären, Stillen, Schwangerschaftsabbruch, Fehlgeburt, hormonelle Veränderungen, beruflicher Stress, Belastungsspitzen, Hinwendung zu anderen Lebensschwerpunkten, zeitlich beschränkte sexuelle Abstinenz, Wechsel, …).

Warum ich? Warum Brustkrebs? Wer ist schuld?
Diese Frage würde sich nicht stellen, wäre Sexualität nicht mit den unterschiedlichsten Werten verbunden: Tatsache in unserer Gesellschaft ist, dass Sexualität als gut oder böse, falsch oder richtig, erlaubt oder verboten bewertet wird. Viele Frauen und ihre Partner stellen sich daher die Frage, ob in ihrer sexuellen Geschichte Böses, Falsches oder Verbotenes vorgekommen ist, für das sie jetzt mit der Krankheit Brustkrebs bestraft werden könnten.
Falls Sie geneigt sein sollten, diese Frage positiv zu beantworten, müssen wir Ihnen massiv widersprechen:
Keinesfalls sind Ereignisse wie vor- und außereheliche Sexualität, Fehlgeburt, Schwangerschaftsabbruch, sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, psychische oder physische Gewalt Ursachen von Brustkrebs.
Bei fünf bis zehn Prozent aller Frauen ist Brustkrebs genetisch bedingt, bei allen anderen Frauen ist die Ursache ein noch weitgehend unerforschtes, komplexes Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren.
Aber eines steht fest: Brustkrebs ist kein schuldhaftes Geschehen, sondern eine Krankheit, ein Schicksalsschlag, mit dem sich Menschen konfrontiert sehen.
Niemand ist also schuld – weder Sie selbst, noch Ihr Partner, noch sonst irgendjemand.

Jetzt an Sex denken?
Erleben viele Frauen ihre Brüste im Alltag als Teil ihrer Weiblichkeit, als wichtigen Ort der Sexualität, ändert sich die Wahrnehmung, wenn eine Frau an Brustkrebs erkrankt. Plötzlich ist die Brust nur noch Ort der Krankheit, ihre sexuelle Bedeutung wird zurückgenommen, Behandlung und Heilung stehen im Vordergrund. Dennoch bleibt Sexualität im Hintergrund stets wichtig – sei es, dass der Wunsch nach gelebter Sexualität wieder auftritt, der mögliche Verlust bewusst wird oder der Druck erlebt wird, wieder sexuell ansprechbar zu werden.

Unangemessene Gedanken an Sex?
Selten findet sich im Behandlungsteam des Spitals und im sozialen Umfeld jemand, der Sie ermuntert, die Sexualität wieder aus dem Hintergrund hervorzuholen. Ganz im Gegenteil haben Sie vielleicht das Gefühl, unangemessene Gedanken zu hegen, wenn Ihnen Sexualität angesichts der Bedrohung durch Brustkrebs wichtig erscheint, weil meist auch im Gespräch mit anderen Brustkrebs-Patientinnen das Thema Sexualität ausgespart bleibt. Deshalb haben viele Frauen das Gefühl, sie wären die einzigen, die von Veränderungen in der Sexualität betroffen wären und schweigen, weil sie sich dafür schämen.

Autorin
Dr. Gabriele Traun-Vogt & Peter F. Herdina (Februar 2011) , Weiterführender Artikel auf SexMedPedia

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Depression und Sexualität

Ein wesentliches Symptom einer Depression ist die Interessens- und Antriebslosigkeit. Hierin ist auch ihre Auswirkung auf die Sexualität begründet, denn eine Depression geht sehr oft mit sexueller Lustlosigkeit bzw. anderen Sexualstörungen einher.

Häufigkeit
Jede/r zehnte PatientIn, der/die einen Allgemeinmediziner aufsucht, leidet unter Depressionen. Bereits milde depressive Störungen verursachen bei einem Viertel der Betroffenen Sexualstörungen. Diese können sich in Lustlosigkeit, Erregungsstörungen, Erektions- oder Ejakulationsstörungen zeigen.

Burnout und Diabetes
Oft mündet auch ein Burnout in eine Depression, hier kann es ebenfalls zu Sexualstörungen kommen. Ebenfalls häufig (bei einem Drittel der PatientInnen) tritt eine Depression bei Diabetes Typ 2 auf.

Vorsicht bei Antidepressiva
Depressionen werden meist mit Psychotherapie und Medikamenten behandelt. Leider wirken sich letztere in vielen Fällen neuerlich negativ auf die Sexualität aus, denn eine Nebenwirkung der meisten Antidepressiva ist wieder Lustlosigkeit. Daher ist es von großer Bedeutung, diesen Aspekt zu berücksichtigen und gemeinsam mit dem behandelnden Arzt/ der behandelnden Ärztin nach einer bestmöglichen Behandlung zu suchen.

Autorinnen
Dr. Elia Bragagna, Mag. Christiane Moser (Oktober 2011)

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Diabetes und Sexualität

Diabetes kann Ihr Sexualleben verändern! Etwas weniger als die Hälfte (44 %) der PatientInnen mit Diabetes vom Typ 2 (“Altersdiabetes”) geben an, dass die Krankheit sich entweder auf ihre sexuelle Leistungsfähigkeit oder auf ihre sexuelle Lust auswirkt.

Definition
Typ 2-Diabetes mellitus, umgangssprachlich auch „Altersdiabetes“ genannt, ist eine Stoffwechselerkrankung, die zu einer abnormen Erhöhung der Blutzuckerwerte führt. Wichtigste Risikofaktoren dafür sind Lebensstilsünden wie Fehlernährung, Bewegungsarmut mit der Folge Übergewicht (vor allem um die Körpermitte herum). Oft begleitet werden diese von Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten (metabolisches Syndrom).

10 Tipps, was Sie tun können
Wenn die Typ 2-Diabetes mellitus Ihr Sexualleben beeinträchtigt, können Sie aktiv etwas dagegen unternehmen. Mehr zum Thema auf SexMedPedia!

Autorin
Dr. Elia Bragagna (November 2011)

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Krebs und Sexualität

Die Diagnose einer Krebserkrankung stellt für die meisten betroffenen PatientInnen einen Einschnitt, ja einen Wendepunkt in ihrem Leben dar. Dies betrifft nahezu alle Aspekte des Lebens – und damit auch die Sexualität.
Sowohl die Erkrankung selbst als auch die damit verbundenen und erforderlichen Behandlungen können Einflüsse auf das Sexualleben haben. Dabei spielen unmittelbare körperliche Beeinträchtigungen ebenso eine Rolle wie psychische Belastungen und daraus resultierende Hemmungen im Umgang mit der eigenen Sexualität.
Obwohl Sexualität für die meisten Menschen einen wichtigen Teil ihres Lebens darstellt, werden Probleme im Sexualleben, die sich aus einer Krebserkrankung ergeben, nur selten in Partnerschaften und kaum jemals mit den behandelnden OnkologInnen besprochen. Ein offener Umgang mit Fragen der Sexualität kann jedoch oftmals zur Überwindung von Hemmungen und zu einem beglückenden Sexualleben trotz der Tumorerkrankung beitragen.

Beeinträchtigungen und ihre Ursachen
Im Rahmen einer Krebserkrankung kann es durch vielfältige Einflüsse zu Störungen des Sexuallebens kommen. Ursächlich dafür sind

  • unmittelbare Auswirkungen der Erkrankung,
  • Folgen der chirurgischen oder medikamentösen Therapien,
  • aber auch emotionale Aspekte, die mit der Krebserkrankung verbunden sind.

Der Tumor selbst kann durch seine Größe und sein Wachstum Organe, Nerven und Blutgefäße, die wichtige Funktionen erfüllen, beeinträchtigen, wie dies beispielsweise bei Tumorerkrankungen der weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane vorkommt.

Auswirkungen der Therapie
Die onkologische Behandlung ruht auf drei Säulen:

  • Chirurgie
  • Strahlentherapie
  • medikamentöse Therapie: Chemo-, Hormon- und Immuntherapie

Diese können das Sexualleben in unterschiedlicher Weise beeinträchtigen.

  • Als Folge der chirurgischen Therapien kann es zu Ausfällen von Nervenbahnen kommen, die für Empfindung, Erregung, Orgasmus und Ejakulation wichtig sind.
  • Strahlentherapie kann in Geweben, die in der Nähe des Zielgebietes liegen Beeinträchtigungen durch länger dauernde Entzündungen hervorrufen.
  • Die medikamentöse Krebsbehandlung kann zu herabgesetzter und gestörter Funktion von Nervenbahnen (Neuropathie) führen. Antihormonelle Behandlungen haben das Ziel, die tumorbegünstigende Wirkung von Sexualhormonen auszuschalten. Dies kann jedoch mit unerwünschten Folgen, wie herabgesetzter Libido, verminderter Erektionsfähigkeit, Gewichtszunahme und Wallungen verbunden sein.

Geschlechtsverkehr
Sexualität und ein erfülltes Sexualleben ist nicht vom Geschlechtsverkehr allein bestimmt. Viele Menschen finden während einer aktiven Krebserkrankung oder in den Phasen der Behandlung andere Wege der Nähe und Zärtlichkeit. Dennoch stellt Geschlechtsverkehr für viele einen wichtigen Teil des Sexuallebens dar.
Es gibt nur wenige Gründe dafür, von Geschlechtsverkehr bei Krebserkrankung abzuraten:

  • Dazu gehört die Zeit unmittelbar nach einer Operation.
  • Meist besteht ohnedies eine Zeit erhöhter Ruhebedürftigkeit und Schwäche, die die Libido beeinträchtigt.
  • Darüber hinaus muss auf Wundheilung und eventuelle Schmerzen Rücksicht genommen werden.
  • Auch bei aktiven Infektionen muss von sexueller Aktivität abgeraten werden, um eine mögliche Ansteckung zu verhindern.
  • Zuletzt sind Episoden im Krankheitsverlauf zu erwähnen, in denen eine starke Unterdrückung des Immunsystems besteht. In solchen Phasen, wie sie unter anderem unmittelbar nach intensiveren Chemotherapien auftreten können, ist die Gefahr von Infektionen, zum Beispiel im Harntrakt, erhöht, so dass vorübergehend von Geschlechtsverkehr abgeraten werden muss.

Autor
Dr. Clemens Leitgeb (Februar 2011), Weiterführender Artikel auf SexMedPedia

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Multiple Sklerose (MS) und Sexualität

Störungen der Sexualität
Die InzidenzRate an Neuerkrankungen der sexuellen Störungen bei Multipler Sklerose liegt bei Männern bei 50 bis 90 Prozent und bei Frauen bei 40 bis 80 Prozent.
Die häufigsten Symptome bei Frauen sind

  • Anorgasmie oder Hyporgasmie,
  • herabgesetzte vaginale Gleitfähigkeit (Lubrikation) und
  • verminderte Libido.

Männer leiden insbesondere unter

  • Impotenz,
  • erektiler Dysfunktion (Erektionsstörungen),
  • Ejakulationsstörungen sowie
  • Orgasmusstörungen und
  • verminderter Libido (Appetenzstörung).

Spezifische Behandlung
Die Behandlung unterscheidet sich bei beiden Geschlechtern im Wesentlichen nicht von der Behandlung von Patienten ohne MS und hängt generell von der Ursache des Problems ab.
Bei erektiler Dysfunktion können orale Phosphodiesterase-5-Hemmer verschrieben werden. Es gibt Evidenz dafür, dass Sildenafil in einer Dosis bis zu 100mg bei beiden Geschlechtern wirksam sein kann. Weiters stehen topische Gleitmittel zur Verfügung. Androgentherapie mit Komponenten wie Methyltestosteron oder Dehydroepiandrosteron können die Libido steigern. Von einer Langzeitanwendung ist aber aufgrund des Nebenwirkungsprofils abzuraten.

Autorin
Dr. Michaela Steiner (August 2012), Weiterführender Artikel auf SexMedPedia

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Psoriasis (Schuppenflechte) und Sexualität

Die Haut ist ein zentrales Organ für das individuelle Wohlempfinden und Selbstwertgefühl. Der Ausdruck „sich in seiner Haut wohlfühlen“ kommt nicht von ungefähr. Hauterkrankungen haben daher sehr oft eine negative Auswirkung auf die Betroffenen, die mit einem großen Leidensdruck und starker Beeinträchtigung der Lebensqualität einhergehen kann.

Definition
Unter Psoriasis (auch Schuppenflechte) versteht man eine chronisch entzündliche Erkrankung der Haut, die meist in Schüben auftritt. Die Psoriasisherde sind scharf begrenzte Hautrötungen, die von groben, locker sitzenden silbrig-weißen Schuppen bedeckt sind. Besonders – jedoch nicht nur – betroffen davon sind die Haut unter den Kopfhaaren, Ellbogen, Knie sowie Kreuz- und Steißbeinregion.

Auswirkungen auf die Sexualität
Psoriasis ist eine lebenslange Erkrankung, die schubweise verläuft, das heißt, es treten immer wieder Erkrankungsphasen auf, die die Partnerschaft sehr belasten können.
Vermindertes Selbstbewusstsein schränkt die Partnerwahl ein, viele PatientInnen mit schwerer Psoriasis wagen es nicht, sich zu binden oder Kinder zu bekommen. Bestehende Partnerschaften zerbrechen oft an der Erkrankung.
Aus unterschiedlichen Studien zeichnet sich ein einheitliches Bild:

  • Menschen mit Psoriasis leiden deutlich häufiger unter sexuellen Funktionsstörungen, als die durchschnittliche Bevölkerung.
  • Psoriasis-PatientInnen mit Sexualstörungen empfinden ihre Hauterkrankung meist als stärker ausgeprägt.
  • Umgekehrt empfinden Personen mit stark ausgeprägter Psoriasis ihre Sexualität dadurch auch stärker beeinträchtigt.
  • Bei einer Störung der Sexualität wird also die Krankheit als negativer empfunden, der subjektiv empfundene Schweregrad der Erkrankung nimmt für die Betroffenen zu.

Eine deutschlandweite Querschnittstudie, die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Psoriasis Bund durchgeführt wurde, ergab, dass jede fünfte Frau mit Psoriasis unter Erregungsstörungen und sexueller Aversion leidet. Mehr als ein Viertel der Betroffenen (Männer und Frauen) fühlt sich in der gemeinsamen Sexualität stark oder sehr stark von der Psoriasis eingeschränkt, ein gutes Drittel wiederum nicht eingeschränkt.
In einer Studie (Niemeier und Mitarbeiter, 1997) wurde gezeigt, dass Psoriasis-PatientInnen deutlich gehemmter im sexuellen Kontakt waren und auch weniger dazu bereit waren, Zärtlichkeiten auszutauschten. Diese in ihrem sexuellen Erleben eingeschränkten Personen litten im Vergleich zu anderen an Psoriasis Erkrankten auch stärker an Gelenksbeschwerden und Psoriaisis an der Genitalregion, zudem unter allgemein stärkerer Hautschuppung , stärkerem Juckreiz sowie Neigungen zu depressiven Verstimmungen.

Partnerschaft
Bei den PartnerInnen der Erkrankten, die ebenfalls in die oben angeführte deutschlandweite Befragung mit einbezogen wurden, fühlten sich jedoch 91 Prozent in der Sexualität nicht von der Hauterkrankung gestört. Diese Zufriedenheit der Partner/innen kann eine positive Auswirkung haben: Sie reduziert den störenden Einfluss der Psoriasis auf die gemeinsam gelebte Sexualität.
Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Qualität der Partnerschaft und der subjektiven Beeinträchtigung im Sexualerleben. Wird die Partnerschaft stabil und positiv erlebt, stärkt dies das Selbstbewusstsein und das Erleben einer unbeschwerten Sexualität.
In guten Partnerschaften nimmt der Einfluss der Psoriasis auf die Sexualität daher stark ab, die emotionale Sicherheit ermöglicht es den Betroffenen, sich trotz Erkrankung in ihrer Haut wohl zu fühlen. Ein Zusammenhang zwischen der Qualität der Beziehung und der tatsächlichen Schwere der Erkrankung besteht jedoch nicht.

Aufklärung
Auffällig ist auch der Wunsch nach mehr Aufklärung: Beinahe die Hälfte der Betroffenen wünscht sich eine bessere sexualmedizinische Beratung. Von diesen hatten 80 Prozent keinerlei Informationen zum Thema Psoriasis und Sexualität und Partnerschaft bekommen.

Lösungsansätze
Sexualprobleme sind also bei Psoriasis-PatientInnen weit verbreitet und je ausgeprägter die Psoriasis ist, desto mehr beeinträchtigt sie die Sexualität. Daher

  • ist eine konsequente dermatologische Behandlung zu empfehlen, um das Hautbild zu verbessern.
  • Bei Auftreten von sexuellen Problemen ist es das Beste, mit der Partnerin/ dem Partner darüber zu reden und/oder sich schnell professionelle Hilfe zu holen, wenn man alleine nicht weiter kommt.

Funktionsstörungen können auch die Folge von Begleiterkrankungen der Psoriasis sein (z.B. Bluthochdruck, Diabetes oder Metabolisches Syndrom) die durch die chronische Entzündung auftreten können. In diesen Fällen ist auch eine Therapie der Begleiterkrankung notwendig.
Mit modernen Therapien, die beim Facharzt erfragt werden können, hat man gute Chancen, erscheinungsfrei zu werden. Je früher die Psoriasis behandelt und damit die Entzündungsprozesse reduziert werden, umso eher lässt sich an ein normales Leben denken.

Autorin
Dr. Elia Bragagna (Januar 2012), Quellen: Sexuologie (11/2004): Rothermund, E.; Schwarzer, D.; Schulze, P.; Friedrich, M.; Sterry, W.; Beier, K.: Sexualität und Partnerschaft bei Psoriasis: 98-106
Niemeier, V.; Winckelesser, T.; Gieler, T. (1997): Hautkrankheit und Sexualität. Hautarzt 48: 629-633.

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